Glosse Jan. 08

Warum muss sowas sein?

So manch schlimme Krankheit mag einen Menschen ereilen. Diese Krankheit kann nach 14 Tagen verschwunden sein, oder vielleicht nervt dieser Befall einfach das ganze Leben lang. Das Schöne an dieser Sache ist, dass es andere Menschen nicht betrifft. Soll doch der Kranke dahin vegetieren, Hauptsache ist doch, man selbst bleibt verschont.

Und noch eine Hauptsache gibt es. Möglichst sollte der Kranke doch tunlichst still vor sich hin leiden und bitte schön einem anderen Anwesenden nicht auf die Nerven gehen. Und nervt der Kranke dennoch rum, sollte diesem Weichei bitte nicht vergönnt sein mobil zu sein. Weder kommunikativer Natur noch bewegungstechnischer Art sollte diese Mobilität sein, denn so könnte jener kranke Mensch aktiv hinter den Gesunden her nerven. Diese ganzen Umstände sind für die betroffenen Personen durchaus schaffbar, aber eine Sache gibt es, die nachhaltig Blutfehden und Hass pur fördert. In islamischen Gesellschaften wird nicht selten der Jihad über eine solche Person gelegt. Die Rede ist natürlich von den Schnarchern.

So mancher erinnert sich mit Grauen an die Zeit bei der Bundeswehr und einem vier- bis sechskehligen Chor der Nacht für Nacht anstimmt um die ursprünglichste aller Formen des Hasses in einem selbst zu wecken. Schnarchen ist eine Form der psychologischen Kriegsführung, aber in welchen Konflikt teilen sich die verfeindeten Soldaten in der Nacht vor der Schlacht schon das gleiche Zelt. Amüsant ist die Vorstellung aber trotzdem. Auf der zweigeteilten Insel Zypern weckt die türkische Armee jeden Morgen mit ihrer laut erschallenden Nationalhymne auch die griechischen Soldaten in der gegenüber liegenden Kaserne. Vielleicht sollten die Griechen einfach Richtmikrofone installieren und das Geschnarche in voller Mannstärke und die ganze Nacht über aussenden. Das wäre mal eine Antwort und man stelle sich die völlig demotivierten und verzweifelt schluchzenden, türkischen Soldaten vor, wie über griechisches Geschnarche jammern. Egal, dann geht Zypern eben komplett an die Griechen.

Nirgendswo nervt diese vermaledeite Schnarcherrei aber so sehr, wie im heimischen Ehebett. Oftmals leidet immer nur einer, aber schlimm wird es, wenn eine Art Wettstreit aus halbnasalen Gebrumme wird und der jeweils Erste der eingeschlafen ist, zu einem Konzert anhebt. Dem Anderen hilft dann nichts mehr. Antischnarchspray ist nicht mehr als ein Witz und die Nasenpflaster verhelfen lediglich den Herstellern zu einem gesegneten Schlaf. Es sei denn eine Überdosierung Spray betäubt den Partner nachhaltig, oder die Pflaster bedenken das ganze Gesicht. Grausam wird es vor allem durch die anhaltende Steigerung der Tonsequenzen. Alles beginnt mit einem Gebrumme á la Knut. Noch leise, aber dem Partner verratend, dass er gleich den Vorhof zur Hölle betreten wird. Langsam steigert sich dann der Geräuschpegel vom brünftigen Hirsch bis hin zu einem Ton, der jedem Gasdruckkompressor neidisch werden lassen würde. Dazu noch ein wenig ungewolltes Gejammer und Gepfeife im Schlaf und der allnächtliche Audiococktail ist gemixt um dem Gegenüber konsequent den Schlaf zu rauben.

Spätestens an dieser Stelle ist der wach gebliebene Partner zu allem bereit und die Taten die einem in so einer Situation durch den Kopf gehen sind weit schlimmer als jene Bilder die in allen bestehenden und noch kommenden Teilen von Saw zusammen. zu sehen sind. Man merkt deutlich, was die Amerikaner meinen, wenn sie den Kampf gegen den Terror zelebrieren, aber das echte Ziel haben sie in diesem Zusammenhang deutlich verfehlt. Es scheint auch unwahrscheinlich dass Condi Rice sich wirklich dazu hinreißen lässt, ihren schnarchenden Ehemann mit Fernlenkraketen aus der Welt zu schaffen.

In diesem Sinne... angenehme Nachtruhe!

(Nepharit)